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Dr. Conrad Murray

Al Seib-Pool/Getty Images

Ihr habt ja bereits gemerkt, dass wir den Prozess gegen Michael Jacksons ehemaligen Arzt Conrad Murray covern und wenn euch etwas entgangen sein sollte, könnt ihr hier auf den neuesten Stand kommen.

Da wir im Gerichtssaal mit dabei sind, können wir euch an dieser Stelle einige Eindrücke vermittlen:

1. Die Jackson Family erhält die VIP-Behandlung: Wenn die Familie in schwarzen Limousinen beim Gericht ankommt, stehen Polizisten bereit, die für ihren Schutz sorgen. Keiner darf den Gerichtssaal auf dem neunten Stockwerk betreten, bis die Familie in der zweiten Reihe Platz genommen hat. Wenn die Verhandlung unterbrochen wird, darf die Familie zuerst gehen, bevor die restlichen Anwesenden den Saal verlassen dürfen.

2. Die Jury hört ganz aufmerksam zu: Fast jedes Mitglieder der 12-köpfigen Jury (und fünf Ersatzmitglieder) schreibt detailliert mit bei den Aussagen, speziell bei den Aufnahmen und Videobändern, die vorgespielt werden. Das sind übrigens ganz normale Leute, die keine teure Kleidung tragen. Sie sind hoch konzentriert.

3. Dr. Murrays Hauptanwalt wirkt schlecht organisiert: Murrays zierlicher Anwalt Ed Chernoff, der aus Texas stammt, hat einen sehr chaotisch aussehenden gelben Notizblock und geht oft willkürlich durch die Notizen und macht dadurch keinen sehr professionellen Eindruck.

4. Die Staatsanwaltschaft wirkt dagegen sehr gut organisiert: Das Team ist mit Dias, Aufnahmen und Konzertprobenmaterial ausgestattet. Beide Staatsanwälte arbeiten mit sauberen Notizen und befragen die Zeugen sehr methodisch. Sie scheinen einem klaren Ablauf zu folgen.

5. Murray wirkt ruhig und charismatisch: Egal, was man von den ärztlichen Qualitäten des Mannes hält, der 1,95 m große Hüne wirkt sehr ruhig und erinnert eher an einen guten Politiker als an einen Arzt, der sich vor Gericht verantworten muss.

6. Der Gerichtssaal ist voll: Rund 50 Menschen, bestehend aus Bürgern, Medien und Familienmitgliedern, sitzen in den vier Reihen. Die meisten Medienvertreter (uns eingeschlossen) dürfen auf ihren Laptops Notizen machen. Die fünf anwesenden Gerichtsdiener (einer davon sitzt hinter kugelsicherem Glas) beobachten die Anwesenden mit Argusaugen um zu verhindern, dass Fotos gemacht oder Telefone benutzt werden.

7. Der Gerichtssaal erinnert an einen Hochsicherheitstrakt: Im Gegensatz zu all den anderen Etagen des Gerichtsgebäudes, muss man im neunten Stock durch einen Metalldetektor gehen und die Gegenstände werden durch Röntgenmaschine geschoben (der gleiche Ablauf, dem man sich unterziehen muss, wenn man das Gebäude betritt). Die Gerichtsdiener erlauben Jacksons Fans nicht, irgendwelche Fanartikel mit sich zu tragen. Ein Fan musste seinen Glitzer-Handschuh abnehmen, bevor er den Saal betrat.

8. Die Jacksons essen vorbestelltes Essen: Die Familie isst in einem Privatzimmer zu Mittag, wenn das Gericht die Verhandlung für eine 90-minütige Pause unterbricht. (Am Mittwoch aßen sie chinesisch.)

9. Der Richter scheint von der Verteidigung genervt zu sein: Der toughe Richter Michael Pastor hat bei mehreren Gelegenheiten den Verteidiger Chernoff für dessen aggressive Verhandlungstaktik zurechtgewiesen.

10. Die Jacksons sitzen ganz nah bei der Jury: Wir saßen selber hinter Janet und Randy und können deshalb bezeugen, dass die Familie in direkter Augenlinie mit der Jury sitzt. Könnte das das Urteil beeinflussen? "Das hoffen sie vielleicht", meinte der Strafverteidiger Troy Slaten. "Das ist einer der Gründe für ihre Anwesenheit im Gerichtssaal: die Jury daran zu erinnern, dass eins ihrer Familienmitglieder durch die Hände des Arztes starb. Sie hoffen sicherlich darauf, dass sie die Jury beeinflussen können."

—Zusätzliche Berichterstattung von Claudia Rosenbaum und Baker Machado

FOTOS: Michael-Jackson-Prozess wegen fahrlässiger Tötung