Oscars 2010: Wer wurde übergangen?

3. Februar 2010 04:22:00 by Joal Ryan

Paramount Pictures; Warner Bros.

Gilt ein Film auch dann als übergangen, wenn sowieso niemand wirklich ernsthaft daran glaubte, dass er eine Oscarnominierung als bester Film erhalten würde?

Trotz der Erweiterung der Kategorie "Bester Film" auf zehn Nominierungen und trotz des Erfolgs von Avatar und District 9 schafften es Star Trek, Hangover und die Michael-Jackson-Doku This Is It nicht unter die Nominierten in dieser Kategorie.

Star Trek wurde hauptsächlich als Sci-Fi-Film angesehen und bekam Nominierungen in den technischen Kategorien. Hangover ist eine Komödie und bekam folglich gar keine. This Is It konnte keiner in irgendeine Schublade stecken. Da er als Dokumentarfilm nicht zugelassen war, blieb nur die Kategorie "Bester Film" und somit ging auch er leer aus.

Weitere Überraschungen, Trends und Fakten:

Die Theorie, dass mehr Nominierungen nur bedeuten, dass mehr "oscartypische" Filme (sprich: ernste und künstlerisch wertvolle Dramen) nominiert werden, stellte sich als wahr heraus - zumindest teilweise. Die Nominierungen von A Serious Man und An Education, die beide eigentlich nur von Filmkritikern und Coen-Anhängern gesehen wurden, bestätigen die Theorie, aber Blind Side (ein Film über Sport), District 9 (Sci-Fi) und Oben! (ein Pixar-Film!) profitierten von der neuen Regelung und wären sicherlich nicht unter den Nominierten, wenn es bei fünf Nominierungen geblieben wäre.

Die Erweiterung hat also ihren Zweck erfüllt. Drei der umsatzstärksten Filme aus dem Jahr 2009 wurden nominiert: Avatar, Oben und Blind Side. Letztes Jahr waren keine Filme der Top 10 nominiert.

Da es zwar zehn Nominierungen in der Kategorie "Bester Film" gibt, jedoch weiterhin nur fünf in der Kategorie "Bester Regie", sind die Chancen, dass ein Film in beiden Kategorien gewinnt, geschrumpft. Oder auch nicht. Blind Side, A Serious Man, An Education, District 9 und Oben, deren Regisseure allesamt nicht nominiert wurden, haben wohl auch nicht die besten Karten, in der Kategorie "Bester Film" zu gewinnen.

Clint Eastwoods Film Invictus-Unbezwungen brachte den Schauspielern Morgan Freeman und Matt Damon eine Nominierung ein, aber nicht dem Regisseur, was wahrscheinlich die Chancen auf einen Gewinn als bester Film deutlich schmälert.

• Meryl Streep bekam ihre 16. Nominierung und hat damit neuen Rekord aufgestellt. Der alte Rekord - 15 Nominierungen - wurde ebenfalls von ihr gehalten. 

Streep scheint zwar jedes Mal nominiert zu sein, aber sie gewinnt nicht jedes Mal. Um genau zu sein, sie hat nicht mehr gewonnen, seit die Schauspielerin Carey Mulligan geboren wurde, die ebenfalls nominiert ist. (Mulligan ist 24, Streep hat seit 26 Jahren nicht mehr gewonnen).

War das Drehbuch von Avatar genauso "schlecht" wie das von Titanic? James Cameron wurde damals genauso wenig nominiert wie dieses Jahr.

Avatar hat zwar den Erfolg von Titanic an den Kinokassen übertroffen, was der Film aber nicht schaffen wird, ist, den Erfolg von Titanic bei den Oscars übertreffen. Camerons Schiffsfilm gewann elfmal (und war 14 Mal nominiert); Camerons Film über blaue Kreaturen kann maximal neunmal gewinnen.

This Is It wurde in der Kategorie "Bester Originalsong" nicht übergangen - er beinhaltet keine Originalsongs. (Der Film wurde übrigens auch in der Doku-Kategorie nicht übergangen, er war aufgrund seines Premierentermins nicht qualifiziert. Das Studio hätte den Film nächstes Jahr einreichen können, entschied sich aber stattdessen, es dieses Jahr in der Kategorie "Bester Film" zu probieren).

• U2 (für "Winter" aus dem Film Brothers) und Paul McCartney (für "I Want to Come Home" aus dem Film Everybody's Fine) waren beide bei den Golden Globes nominiert, wurden aber bei den Oscars übergangen.

Inglourious-Basterds-Darstellerin Diane Kruger war die Einzige, die zwar bei den Screen Actors Guilds nominiert war, aber nicht bei den Oscars. Crazy-Heart-Darstellerin Maggie Gyllenhaal angelte sich ihren Platz in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin".

 Erinnert ihr euch noch an die wunderschöne romantische Komödie (500) Days of Summer? Die Oscar-Wähler erinnerten sich jedenfalls nicht.

• Nancy Meyers Filme sind normalerweise immer gut für eine Oscar-Nominierung, aber dieses Jahr wohl nicht. Wenn Liebe so einfach wäre brachte gar nichts ein, auch nicht für die Co-Moderatoren der Oscars, Alec Baldwin und Steve Martin.

Es sah eine Zeitlang so aus, als ob Oscar-Gewinnerin Marion Cotillard diejenige werden würde, die das aufwendige Film-Musical Nine davor bewahren würde, bei den Oscars komplett zu floppen. Diese Ehre ging stattdessen nun an Penélope Cruz (nominiert als beste Nebendarstellerin). Nine konnte insgesamt noch drei weitere Nominierungen sichern.

 Ihr habt vielleicht noch nichts von Brendan und das Geheimnis von Kells gehört, aber die Macher von Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen werden den Film, der ihre Nominierung in der Kategorie „Bester Animationsfilm" „gestohlen" hat, sicher nie vergessen.

Harry Potter und der Halbblutprinz wurde einmal nominiert (Beste Kamera); New Moon gar nicht.

Mit all seinen Explosionen ergatterte Transformers: Die Rache überraschenderweise nur eine Nominierung: in der Kategorie "Beste Tonmischung".

Auch Brad Pitt (Inglourious Basterds) wurde nicht nominiert, aber das überraschte ohnehin niemanden.

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Wenn ihr alle Nominierten noch mal nachlesen wollt, dann klickt einfach hier. Wenn ihr euch Fotos ansehen wollt, dann könnt ihr das hier tun.