Bericht aus dem Backstage-Bereich: Mo'Nique rockt, Sandra arbeitet schwer
Rick Rowell/ABC
Sandra kann's immer noch nicht fassen. Mo'Nique beherrscht den Raum. Der Autor von Tödliches Kommando - The Hurt Locker entschärft eine Bombe. Eine Hälfte vom Songwriting-Duo von Crazy Heart meldet sich krank. Und hat sich der John-Hughes-Tribut auf die Anwesenheitszahlen im Presseraum ausgewirkt?
Unsere Reporterin Joal Ryan war im Backstage-Bereich der 82. Oscar-Verleihung und hat alle Geschehnisse für euch protokolliert:
17:50 Uhr.: Wie klar war es, dass Christoph Waltz den Oscar als Bester Nebendarsteller bekommt? Kein Mucks kam aus dem Presseraum, als die Kategorie verkündet wurde. Und glaubt mir, Reporter mucksen ganz gewaltig, wenn sie überrascht sind.
• Oben gewinnt den Oscar für den Besten Animationsfilm. Immer noch kein Mucks. (Ich behaupte nicht, dass es schlecht ist, dass nicht gemuckst wurde. Ich wollte es nur angemerkt haben. Das macht man eben, wenn man, na ja, eben nicht mit Mucksen beschäftigt ist.)
• Wie beruhigte man die Nerven von Leuten, die für einen Oscar nominiert sind? Während der ersten Werbepause versuchte es das Kodak Theatre damit, "Easy" von Lionel Richie einzuspielen. (Zumindest höre ich das über meine Kopfhörer. Oder kriege ich aus irgendwelchen Gründen einen Oldies-Sender rein? Oder ist das Lionel Richies iPod?) (Update: Ich glaube, das war Richies beinah Schwiegersohn Joel Madden—und der heutige Oscar-DJ— der seinem alten Herrn Tribut zollte.)
• Ach ja, witzige Kommentare zu Neil Patrick Harris Nummer am Anfang müsst ihr euch selber ausdenken. Ich selbst hab keine Ahnung, wie die war. Ich bin ja nur bei der Oscar-Verleihung, wo am Anfang der Veranstaltung der Ton weg war. Zum Glück war er rechtzeitig für Steve Martins Christoph-Waltz-Witz wieder da.
• Ach ja, die witzigen Kommentare zu Waltz und Pete Docter, dem Regisseur von Oben, müsst ihr euch auch selber ausdenken. Die frühen Gewinner ließen die Presse im Backstage-Bereich links liegen und gingen stattdessen zurück auf ihre Plätze im Kodak Theatre. Definitiv ein untypisches Verhalten für die Oscar-Verleihung. Vielleicht wollten alle den Tribut an John Hughes sehen?
• Danke, Ryan Bingham, Gewinner für „Bester Filmsong", dass Sie den John-Hughes-Tribut ausgelassen haben! Er ist der erste Gewinner, der hier hinter kommt. Und er kommt allein. Ganz im Stil des heutigen Abends ist T-Bone Burnett nicht anwesend. Irgendein Fuzzi der Academy teilt uns mit, dass Burnett vernehmen ließ, dass es ihm nicht gut gehe und, ja, dass er auf seinen Platz zurückgekehrt ist.
• "Ich dachte, es wäre kitschig, ihn 'Crazy Heart' zu nennen." —Bingham dazu, warum er stattdessen einen Song namens "The Weary Kind" geschrieben hat.
• Was genau ist mit Burnett passiert? Ich frage Bingham, aber er weiß es nicht. "Nachdem er den Oscar gewonnen hat, sagte er, es ginge ihm nicht gut, und wiederholt damit, was der Fuzzi der Academy schon gesagt hat.
• Mark Boal von The Hurt Locker (Original-Drehbuch) wird eine Granate zugeworfen und er entschärft sie gekonnt wie ein echter Profi. "Jeff ist ein mutiger Soldat," sagt Boal über Jeffrey Sarver, dem Army Sergeant, der die Filmemacher verklagt hat, weil ihre Geschichte angeblich auf ihm basiert. "Das Drehbuch ist Fiktion. Es basiert nicht auf der Geschichte einer einzigen Person. Mehr kann ich dazu nicht sagen."
19:05 Uhr.: "Wir haben ihre Augenbrauen gerichtet."
—Joel Harlow, vom Team von Star Trek für das Beste Make-up darüber, wie sie die bisher nicht genügend gewürdigten Romulaner herausstechen ließen.
• Gut zu wissen: Der Oscar für das Beste Make-up ist der erste Oscar überhaupt, den je ein Star-Trek-Film bekommen hat. (Ein Reporter hat das gesagt. Ich hab noch mal bei der Bibliothekarin der Academy nachgefragt, und, es ist zwar kaum zu glauben, aber es stimmt tatsächlich!) Die Reaktion von Mindy Hall, einem weiteren Mitglied des Trek-Teams, das den Oscar gewonnen hat: "Es ist fantastisch. Es ist für die ganz Filmreihe fantastisch."
• Das ist kein Presseraum mehr, sondern Mo'Niques Reich. Die Gewinnerin des Oscars für die Beste Nebendarstellerin ist die Herrin der Veranstaltung - sie ruft Reporter auf, die sie kennt, bemäkelt Interviewtaktiken, die ihr nicht passen, und bringt die Leute natürlich zum Lachen. Insgesamt ist das dieselbe Mo'Nique, die wir schon bei den Golden Globes und SAG Awards gesehen haben, aber doch ein wenig anders. Immer noch gelassen, aber mit einer neuen Autorität.
• "Ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte und sagten musste."
—Mo'Nique über ihre unerschrockene Rede.
• Mo'Nique wird gefragt, ob sie ihren Lebenslauf neu schreiben wird. Ihre Antwort ist Nein. "Ich bin eine Stand-up-Komikerin, die einen Oscar gewonnen hat," sagt die Schauspielerin der Stand-up-Komikerin.
• Hattie McDaniel auf der Bühne zu erwähnen, war ganz und gar nicht der einzige Verweis von Mo'Nique auf die erste schwarze Oscar-Gewinnerin. Sie erläutert backstage: "Der Grund, warum ich dieses blaue Kleid trage, ist, dass Hattie McDaniel diese Farbe trug, als sie ihren Oscar (für Vom Winde verweht) bekam. Der Grund, warum ich diese Gardenie (im Haar) trage, ist, dass Hattie McDaniel diese Blume trug, als sie gewann."
• Hab ich schon erwähnt, dass Mo'Nique eine Filmbiografie von Hattie McDaniel drehen will? Ja, das will sie, und nein, ich hab keinen Seitenhieb auf Lager, da ich mich ausnahmsweise mit Mo'Nique gut stellen will.
• Apropos gut stellen mit Mo'Nique— das gilt nicht für alle Reporter. Auf der Bühne sprach Mo'Nique über die die Machtspielchen bei der Preisverleihung, bzw. ihre Wahrnehmung von Machtspielchen bei der Preisverleihung: "Einige Journalisten schrieben: 'Jemand muss Mo'Nique eine Lektion erteilen,'" sagt sie. "Und ich bin sehr stolz darauf, zu einer Academy zu gehören, wo solche Spielchen nicht gespielt werden. Wir bewerten ihre Darbietung und nicht, wie viel sie isst."
• Leider muss ich sagen, dass Mo'Nique mich nicht besonders toll findet. Sie hat keine Frage von mir beantwortet.
• Habt ihr euch je gefragt, wie man dazu kommt, die Ehrung der im letzten Jahr Verstorbenen musikalisch zu untermalen? Sagen wir einfach, ich habe James Taylor vor der Show in der Hotel-Lobby heimlich beobachtet. Es war, als würde man Abe Lincoln vorbeigehen sehen. Oder anders formuliert: Er hat fast soviel Autorität wie Mo'Nique ausgestrahlt.
• Ich denke, ich könnte fragen, warum Farrah Fawcett bei den Ehrungsclips nicht dabei war, aber egal, was ich frage, ich ernte nur Kopfschütteln.
20:38 Uhr: Ist Joel Madden als DJ zu gut? Es klingt, als würde im Kodak Theatre richtig gefeiert. Entweder das oder es wird evakuiert. "Bitte machen Sie die Gänge frei und gehen Sie auf Ihre Plätze!" warnt ein Ansager das Oscar-Publikum während der letzten Werbepause.
• Der beste Hauptdarsteller Jeff Bridges hält in einer Hand ein Glas Champagner und in der anderen einen Oscar. Seine Arbeit bei den Preisverleihungen dieses Jahr ist getan, er hat's geschafft und ist so entspannt wie eh und je.
• Bridges kommt gar nicht auf den Gedanken, sich darüber zu beschweren, dass sein Film nicht als bester Film nominiert wurde, und wahrscheinlich ist er auch gar nicht der Mensch dafür. Er sagt: "Ich war überrascht, dass Crazy Heart es nicht geschafft hat, aber maul, maul, maul...…"
• "Hoffentlich sorgt dieser Film für Frieden, Verständnis und Wohlstand in der Welt", sagt Bridges, und alle im Raum lachen, aber der Schauspieler lässt sich nicht aus dem Konzept bringen und das ist auch gut so. „Musik und Filme verbinden uns alle. Ich hoffe, ich werde dadurch bekannter. Mir geht es darum, uns alle zusammenzubringen, darum, die Welt zu heilen."
• "Ich hab mir was von Benji Hughes angehört." - Bridges dazu, was er sich am Morgen auf seinem iPod angehört hat und wie er niemandes Erinnerung an Dude vernichten will.
• Waltz ist wieder da, nachdem er die Vorstellung im Kodak Theatre in voller Länge genossen hat. Auf die Frage, was er vom Ablauf bei den Oscars in Hollywood hält, wird klar, dass der ihm gefällt, und zwar so richtig. "Betörend. Es ist der Wahnsinn. Es ist fantastisch…" sagt er. "Morgen bin ich wahrscheinlich traurig, dass es vorbei ist."
• Kathryn Bigelow, die den Oscar als beste Regisseurin gewonnen hat, ist so erledigt durch ihren Sieg wie Pete Docter von Oben durch seinen. (Genau wie Waltz, ließ auch Docter im Presseraum bis nach der Veranstaltung auf sich warten.)
• "Ich hoffe, dass ich eine von vielen sein werde", sagt Bigelow darüber, dass sie die erste Frau ist, die den Oscar für die beste Regie gewonnen hat. "Ich ersehne den Tag, an dem kein Unterschied mehr gemacht wird."
• An dem Abend, an dem sie die gläserne Decke durchstoßen hat, muss Bigelow eine Frage nach der anderen beantworten, und zwar über... einen Mann: James Cameron von Avatar. Fürs Protokoll: Bigelow hält ihren Ex-Mann für einen "herausragenden Filmemacher" und sie fühlte sich geehrt, zusammen mit ihm nominiert gewesen zu sein. Interessanterweise lässt sie die Frage, was sie von Cameron gelernt habe "als (sie) mit ihm zusammenlebte" quasi unbeantwortet.
• Auch Geoffrey Fletcher hat an diesem Abend Geschichte geschrieben. Er ist der erste Afro-Amerikaner, der als Drehbuchautor ausgezeichnet wurde. Leider haben es die Heinis der Academy nicht geschafft, ihn wieder einzufangen, nachdem er - war ja klar – nach seiner Dankesrede wieder auf seinen Platz gegangen war. Dann wird er seine Zitate wohl bei den Partys loswerden müssen.
• Die einzige Art und Weise, Meryl Streep und die strahlende Gabourey Sidibe zu schlagen, ist harte Arbeit. Die beste Hauptdarstellerin Bullock arbeitet immer noch, mehr muss man dazu nicht sagen. "Soll das ein Witz sein?", fragt sie und bestreitet immer noch, dass sie je der Favorit war. „Das hatte ich mir nicht vorgenommen… Diesen Film hatte ich abgelehnt. Wenn ich geahnt hätte, dass das mein Ticket zum Erfolg ist... Ich glaube, das ist der Grund, warum es so überwältigend ist und so unerwartet gekommen ist.."
• Also, nun zu George Clooney und dem Pool, eine Geschichte, die Bullock in ihrer Rede erwähnte, aber nicht näher erläuterte. Tom Cruise kam auch darin vor… Und mehr erfahren wir nicht. "George sah heute Abend so müde aus," sagt Bullock. "Ich sah seine kleinen Augen und dachte, dass ich ihm das heute Abend nicht antun kann…Fragt George."
• Wir erfahren auch nicht, was Bullocks Mann Jesse James seiner Frau ins Ohr flüsterte, nachdem Sean Penn ihren Namen verlesen hatte. "Süß, dass Sie fragen," sagte sie zu einem Reporter. "Sie müssen es ja wenigstens versuchen."
• James begleitet Bullock auf ihrer Presserunde, und als ein Reporter erwähnt, dass er sah, wie James während Bullocks Rede weinte, blickt Bullock ihren Mann fragend an. Dieser signalisiert Nein und Bullock gibt die Frage weiter. "Er steht da drüben," sagt sie und zeigt neben die Bühne. "Macht ihn nicht sauer."
• Wenn Mo'Nique die beste Darbietung einer Gewinnerin abgeliefert hat, dann ist Bullock die beeindruckende Zweite. Sie ist charmant, schwört, sie will mit Essen feiern ("und mir keine Sorgen machen, dass das Kleid platzt") - und sie hat eine Himbeere. Am Abend zuvor wurde Bullock mit einer goldenen Himbeere als schlechteste Darstellerin für Verrückt nach Steve ausgezeichnet. "Sie werden nebeneinanderstehen, wie sich das gehört", sagt sie über die zwei Trophäen. "Das ist die Entertainment-Branche. Es ist unsere Aufgabe, das Gute mit dem Schlechten zu akzeptieren."
• Wenn ich aber noch mal drüber nachdenke", sagt Bullock, "kommen die Himbeeren doch auf ein anderes Regal, ein niedrigeres."
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