Die Oscars: Slumdog Millionär räumt ab; Ledger, Winslet, Cruz und Penn gewinnen

23. Februar 2009 02:46:32 by Natalie Finn

Kevin Winter/Getty Images

Slumdog Millionär hat am Sonntag den wahren Jackpot gewonnen.

Die Kontroverse, die den Film umgab, konnte ihn nicht stoppen: Der Film, der in den Slums von Mumbai spielt, gewann am Sonntagabend den Hauptpreis bei den 81. Academy Awards, einer von acht Awards insgesamt, die der Streifen einheimste.

"Wie Sie sehen können, involvierte der Film Hunderte von Menschen und ich bin sehr froh, dass einige hier dabei sind, um diesen Moment zu teilen", sagte Produzent Christian Colson, umgeben vom Regisseur Danny Boyle und den Stars des Films, inklusive sechs Kindern aus Indien, die Dev Patel, Freida Pinto und Madhur Mittal in jüngeren Jahren spielten.

"Als wir anfingen, hatten wir keine Stars, wir hatten keine Power und wir hatten nicht genug Geld, um das zu tun, was wir tun wollten", sagte Colsond. "Wir hatten unsere Leidenschaft und unseren Glauben an das Projekt und unser Film beweist, dass man mit diesen zwei Faktoren weit kommen kann."

"Meine Kinder sind jetzt zu groß, um sich daran zu erinnern, aber als sie noch klein waren, schwor ich ihnen, dass ich, sollte einmal das Wunder geschehen, ich im Sinne von Tigger aus Winnie the Pooh beginnen würde", erzählte der Gewinner in der Kategorie "Bester Regisseur" Danny Boyle, nachdem er auf der Bühne dreimal in die Luft gesprungen war.

"Ich weiß nicht, wie das im Fernsehen rüberkommen wird, aber hier fühlt sich das gut an", sagte der britische Filmemacher, als er seiner Frau, seinen Kindern, Kollegen und den Menschen in Mumbai dankte. "Ihr lasst sogar diesen Typen klein aussehen," sagte Boyle und zeigte dabei auf den Oscar.

Slumdog wurde auch in den Kategorien Kamera, Beste Filmmusik, Schnitt, Tonschnitt sowie bester Song ausgezeichnet. Simon Beaufoy gewann für das beste Drehbuch nach einer Vorlage.

Jason Merritt/Getty Images

Der seltsame Fall des Benjamin Button, der mit 13 Nominierungen ins Rennen ging, erhielt nur drei Awards und diese in technischen Kategorien.

Sean Penn, der uns ein weiteres Mal einer Dankesrede von Mickey Rourke beraubte, gewann als bester Schauspieler für sein Portrait des homosexuellen Politikers Harvey Milk in Milk. Auch Autor Dustin Lance Black gewann einen Award, in der Kategorie "Bestes Original-Drehbuch". Penn nutzte seine Dankesrede, um seiner politischen Meinung Nachdruck zu verleihen:

"Ich glaube, dies ist ein guter Zeitpunkt für all diejenigen, die sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen haben, die Sache noch einmal zu überdenken. Ihre Enkelkinder werden sich einmal schämen, wenn Sie weiterhin so eine ignorante Haltung aufrecht erhalten", sagte Penn, nachdem er das Publikum im Saal mit "ihr Homo liebende Teufelskerle" begrüßt hatte.

"Ich habe das nicht erwartet, aber ich will auch klarstellen, dass mir bewusst ist, dass ich es euch nicht leicht mache, mich zu mögen", beendete Penn seine Rede, bevor er noch seinen "Bruder" Rourke grüßte.

AP Photo/Mark J. Terrill

Die bereits sechsmal für einen Oscar nominierte Kate Winslet gewann endlich ihren Oscar als beste Schauspielerin für ihre Rolle in Der Vorleser. Auch sie war überglücklich:

"Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, diese Rede noch nie vorher geprobt zu haben. Ich war alt Jahre alt und starrte in den Spiegel im Badezimmer und statt eines Oscars hielt ich eine Shampoo-Flasche. Jetzt ist das keine Shampoo-Flasche mehr!", sagte Winslet, die während ihrer Rede sichtlich aufdrehte - dieses Mal jedoch sehr artikulierte. 

"Ich kann mich so glücklich schätzen, so einen tollen Ehemann und zwei schöne Kinder zu haben, die mich das tun lassen, was ich liebe und die mich so lieben, wie ich bin. Anthony und Sidney - das hier ist für euch beide", sagte Winslet und bezog sich damit auf die letztes Jahr verstorbenen Produzenten Anthony Minghella und Sidney Pollack. "Ich möchte auch all meine Mitbewerber in dieser Kategorie ansprechen - solche Göttinnen. Ich glaube, wir alle können es kaum fassen, mit Meryl Streep in dieser Kategorie zu sein. Tut mir leid, Meryl, aber das konnte ich mir nicht verkneifen."

Heath Ledger hat diese Awardsaison alle Auszeichnunen gewonnen und auch die Oscars waren keine Ausnahme. Sein Vater, seine Mutter und Schwester waren zur Stelle, um die Trophäe für den verstorbenen Schauspieler entgegenzunehmen.

"Als erstes möchten wir der Academy dafür danken, dass sie die erstaunliche Arbeit unseres Sohnes anerkannt hat", begann Ledgers Vater Kim. "Warner Bros. und besonders Christopher Nolan, dass er Heath die Freiheit gegeben hat, diese verrückte Figur des Jokers zu erforschen. Diese Auszeichnung bestätigt Heath' bescheidene Ambition, von euch allen, seinen Kollegen in dieser Branche, die er so liebte, anerkannt zu werden. Vielen Dank."

Michael Yada/AMPAS

"Wir fühlen uns von dieser Ehre und dem Respekt, den man ihm entgegenbringt, total überwältigt. Heute wollen wir glücklich sein und das feiern, was er erreicht hat", fügte seine Mutter Sally Bell hinzu.

"Heath, wir wussten beide, dass die Elemente, die du für den Joker kreiert hast, außergewöhnlich waren und wir hatten sogar darüber geredet, wie es wäre, an diesem Tag hier zu sein", sagte seine Schwester Kate. Wir würden uns wünschen, dass du bei uns sein könntest. Wir nehmen diesen Preis im Namen deiner wunderschönen Tochter Matlida entgegen."

Peter Finch, der für seine Rolle in Network 1976 nur zwei Monate nach seinem Tod gewann, ist der einzige weitere Schauspieler, der jemals einen posthumen Oscar erhielt.

Penélope Cruz wurde für ihre Rolle als gefährliche, sexy - und eifersüchtige - Ex-Frau in Woody Allens Film Vicky Cristina Barcelona zur besten Nebendarstellerin gekürt. Dies war der erste Gewinn der 34-Jährigen, die zuvor bereits einmal nominiert war.

"Das wird keine 45 Sekunden dauern. Das weiß ich jetzt schon", sagte eine emotionale Cruz gleich zu Beginn ihrer Dankesrede. "Ist hier schon mal jemand umgekippt? Wenn nicht, könnte ich die Erste sein… Danke, Woody, dass du mir diese Figur anvertraut hast."

Sie erzählte auch, wie sie als kleines Mädchen in Spanien die ganze Nacht aufgeblieben sei, um sie die Oscar-Verleihung live anzuschauen. Sie sagte: "Ich hatte immer das Gefühl, dass die Welt in diesem Moment vereint ist, weil Kunst in jeder Form immer eine universale Sprache spricht und wir sollten alles Menschenmögliche tun, um ihr Überleben zu sichern."

In einem Versuch seitens der Produzenten, kräftig auf die Tränendrüse zu drücken, wurden die nominierten Schauspieler in den Hauptkategorien dieses Jahr gleich von fünf ehemaligen Gewinnern vorgestellt.

Robert De Niro, Ben Kingsley, Anthony Hopkins, Michael Douglas und Adrien Brody erhielten jede Menge Applaus, bevor sie Penn seinen Award überreichten, während Shirley MacLaine, Halle Berry, Sophia Loren, Nicole Kidman und Marion Cotillard Winslet ihren Preis übergaben.

Cruz bekam ihren Oscar von den ehemaligen Gewinnern Tilda Swinton, Whoopi Goldberg, Goldie Hawn, Anjelica Huston und Eva Marie Saint, die 1955 für Die Faust im Nacken gewann.

Christopher Walken, Kevin Kline, Cuba Gooding Jr., Alan Arkin und Joel Grey waren die Präsentatoren für Ledger. Der letztjährige Gewinner Javier Bardem konnte leider nicht dabei sein, weil er in Europa am Arbeiten war.

Der gutaussehende Moderator Hugh Jackman, der nicht nur der "Sexiest Man Alive" ist, sondern auch Sänger und Tänzer, brachte alten Hollywood-Glamour in die Show zurück. Seine Eröffnungsnummer erinnerte an die Zeiten von Moderator Billy Crystal. 

A.M.P.A.S. / Michael Yada

Alles in allem war es eine gelungene Show, wenn man von der Showeinlage absieht, die Jackman gemeinsam mit Beyoncé sang und die in einer River-Dance-artigen Nummer zum Titelsong des Musicals Mamma Mia! endete.

Jackman hat wohl Baz Luhrmanns Leben im australischen Busch gerettet, denn diese irritierende Showeinlage entstand unter der Regie des Australia-Regisseurs.

Das Event war mit dreieinhalb Stunden etwas kürzer als sonst und etwas Zeit wurde eingespart, indem einige der Präsentatoren gleich zwei oder mehr Awards überreichten. So übergaben Sarah Jessica Parker und Daniel Craig jeweils einen Oscar für Kostümdesign (Die Herzogin), Produktionsdesign (Benjamin Button) und Make-up (Benjamin Button) und Will Smith übergab gleich vier Preise - Schnitt (Slumdog), Ton (The Dark Knight), Tonschnitt (Slumdog) und visuelle Effekte (Benjamin Button).

Angelina Jolie und Brad Pitt gingen zwar mit leeren Händen nach Hause, waren jedoch trotzdem oft zu sehen und aller Wahrscheinlichkeit nach am meisten, als Jennifer Aniston und Jack Black gemeinsam auf der Bühne standen, um den Preis für den besten animierten Film an WALL-E zu übergeben.

Aber überraschender als das "Angie gegen Jennifer Duell" war wohl die Tatsache, dass der japanische Film Departures  in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" gewann. Hier hatten Waltz With Bashir und der Festival-Renner Die Klasse in den Wetten ganz vorn gelegen.

"Das ist ein neuer Weg für mich. Und ich - wir - werden hoffentlich wieder kommen, das hoffe ich zumindest. Danke!", sagte Regisseur Yojiro Takita ganz stolz und charmant in gebrochenem Englisch. Trotzdem konnte er Kunio Katô an Sentimentalität nicht überbieten, als er in der Kategorie "Bester animierter Kurzfilm" für La Maison en Petits Cubes gewann.

"Domo arigato, Mr. Roboto", sagte er.

News