BAFTAs: Kate Winselt gewinnt erneut, kein Glück für Baader
Dave Hogan/Getty Images
Wenn es jemanden gab, der heute Abend bei den Orange British Academy Film Awards kein Heimspielvorteil benötigte, war das Kate Winslet.
Um genau zu sein, sie und alle, die etwas mit Slumdog Millionär zu tun hatten.
Wie zuvor schon bei den SAG-Awards und den Golden Globes wurde Winslet auch bei den BAFTAs für ihre Rolle in Der Vorleser ausgezeichnet und hat sich damit gegen andere namhafte Anwärter, darunter auch sie selbst, durchgesetzt.
Winslet war in derselben Kategorie gleich zweimal nominiert, sowohl für Der Vorleser als auch für Zeiten des Aufruhrs und garantierte Angelina Jolie (die mit ihrem ebenfalls nominierten Lebenspartner Brad Pitt erschien, der letztendlich auch leer ausging), Kristin Scott Thomas und Meryl Streep damit fast einen Abend, an dem sie ihre „es ist eine Ehre, einfach nur nominiert zu sein“-Gesichter aufsetzen konnten.
Die Besetzung von Slumdog Millionär durfte dagegen auf dieses aufgesetzte Lächeln verzichten… zumindest größtenteils.
Der Film konnte seine Awardshow-Dominanz fortführen und erhielt sieben Auszeichnungen, darunter auch die für den besten Film.
Der deutsche Beitrag Der Baader Meinhof-Komplex ging leer aus. In der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" setzte sich der französische Film So lange liebe ich dich gegen den Golden Globe-Gewinner Waltz with Bashir aus Israel durch.
Für eine weitere Überraschung sorgte Man On Wire. Der Dokumentarfilm über einen Franzosen, der einen Hochseilakt zwischen den beiden World Trade Center-Türmen inszenierte, war der Gewinner in der Kategorie „Hervorragender britischer Film“.
Und während Slumdog sich den Hauptanteil der Preise sichern konnte (gefolgt von Der seltsame Fall des Benjamin Button mit drei Auszeichnungen), schlug sich das nicht in den Darstellerkategorien nieder.
Was die Dankesreden betraf, sah das dank des besten Regisseurs, Danny Boyle, allerdings ganz anders aus:
„David Lean sagte, man soll seine Ambition für den Film in den ersten fünf Minuten deutlich machen“, so Boyle. „In diesem Sinne möchte ich meine Ambition für diese Ansprache verkünden: Mein Vater hatte gestern Abend einen Stromausfall. Ein großes Dankeschön an alle, die ihm halfen das Verlängerungskabel zu verlegen, damit er heute Abend fernsehen kann.“
Winslet hielt ihre Rede kurz, vielleicht um eine Wiederholung der Kritik, die ihr von ihren Landsleuten nach den Globes entgegengebracht wurde, zu vermeiden.
„Vielen, vielen Dank“, sagte sie. „Diesen Award in meiner Heimat zu bekommen, beutet mir sehr viel. Danke BAFTA.“
Des Weiteren bedankte Winslet sich bei ihrer „Mama und Papa“, die sich zwar im Publikum befanden, die sie aber während ihrer Rede nicht anschauen konnte, weil sie ansonsten „in Tränen ausgebrochen“ wäre.
„Ich möchte mich bei Anthony Minghella und Sydney Pollack bedanken. Ihr fehlt uns heute Abend sehr und ihr werdet uns auch in den kommenden Jahren sehr fehlen.“
Die weiteren Gewinner in den Schauspielkategorien waren Penélope Cruz, die für Vicky Cristina Barcelona den Award als „Beste Nebendarstellerin“ mit nach Hause nehmen durfte, Heath Ledger, der seine posthume Dominanz in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ für The Dark Knight weiterführte, und The Wrestlers Mickey Rourke, der eine Auszeichnung als „Bester Hauptdarsteller“ ergatterte.
„Es ist eine wunderschöne Statue“, sagte Rourke, bevor er sich bei dem Regisseur Darren Aronofsky dafür bedankte, dass er ihm eine zweite Chance gab, obwohl er seine Karriere 15 Jahre lang den Bach runter laufen lies: "Es ist ein großes Vergnügen hier zu sein und aus dem Dunkel herausgetreten zu sein.“
Während Rourke sich dieses Mal nicht bei seinen Hunden bedankte, vergaß er nicht, seinem Co-Star Marisa Tomei zu danken, „dass sie mutig genug gewesen war, sich ständig auszuziehen.“
Überraschenderweise waren Slumdog Millionär und Der seltsame Fall des Benjamin Button die einzigen Filme des Abends, die mehrfache Auszeichnungen erhielten.
Nachfolgend eine Aufstellung aller Gewinner der 2009 Orange British Academy Film Awards:
BESTER FILM: Slumdog Millionaire
BESTER REGIESSEUR: Danny Boyle, Slumdog Millionaire
BESTES DREHBUCH: Martin McDonagh, Brügge sehen... und sterben
BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH: Slumdog Millionaire
BESTER HAUPTDARSTELLER: Mickey Rourke, The Wrestler
BESTER HAUPTDARSTELLERIN: Kate Winselt, The Reader
BESTER NEBENDARSTELLER: Heath Ledger, The Dark Knight
BESTE NEBENDARSTELLERIN: Penelope Cruz: Vicky Christina Barcelona
BESTE FILMMUSIK: A.R. Rahman, Slumdog Millionaire
BESTE CINEMATOGRAFIE: Slumdog Millionaire
BESTER SCHNITT: Slumdog Millionaire
HERVORRAGENDER BRITISCHER FILM: Man on Wire
BESTER NICHT-ENGLISCHSPRACHIGER FILM: So viele Jahre liebe ich dich (Frankreich)
BESTER ANIMATIONSFILM: WALL-E
BESTES PRODUKTIONSDESIGN: Der seltsame Fall des Benjamin Button
BESTES KOSTÜMDESIGN: Die Herzogin
BESTER KURZFILM: September
BESTER ANIMIERTER KURZFILM: Wallace & Gromit: A Matter of loaf and death
VISUAL SPECIAL EFFECTS: Der seltsame Fall des Benjamin Button
MAKE-UP UND HAARE: Der seltsame Fall des Benjamin Button
CARL FOREMAN AWARD: Steve McQueen: Hunger
ORANGE RISING STAR AWARD: Noel Clarke