Die Jacksons, Stars und Fans nehmen Abschied von Michael Jackson
Der Anlass war ein trauriger, aber der Tag war eine grandiose Feier.
Knapp 19.500 Leute, von denen nicht alle Karten hatten, kamen ins Staples Center in Los Angeles, um einer starbestückten Hommage an Michael Jackson beizuwohnen. Der Entertainer war am 25. Juni im Alter von 50 Jahren völlig unerwartet verstorben und versetzte damit die Welt in Schock.
Redner von Magic Johnson über Brooke Shields bis hin zu Smokey Robinson waren in Topform und erzählten Geschichten voller Humor und Bewunderung und von geschichtlicher Bedeutung. Sie erzählten von Jackson dem Künstler, Jackson der Inspiration und Jackson dem Freund.
Aber es war Jacksons Tochter Paris, die sich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit über ihren Vater äußerte, die den Promis und den musikalischen Koryphäen die Show stahl.
Der Leichenwagen mit dem Leichnam des verstorbenen King of Pop kam etwa 15 Minuten vor dem geplanten Beginn der Gedenkfeier am Staples Center an. Wegen nicht bekannter Probleme begannen die Feierlichkeiten erst um 10:30 Uhr. Die Organisatoren verteilten Karten an einige glückliche Menschen in der Menge draußen, um die leeren Plätze drinnen zu füllen, die Leute gewonnen hatten, die es dann aber nicht zum Staples Center schafften.
Kevin Mazur/MJ Memorial/Getty Images
Während die ersten Reihen vor der blau beleuchteten, von Kränzen umgebenen Bühne vor der Ankunft der Familie leer blieben, trat Robinson vor, um Nachrichten von Diana Ross und Nelson Mandela, dem ehemaligen Präsidenten Südafrikas, vorzutragen.
"Ich bin hier, um abzuschließen. Ihr sollt wissen, dass ich, auch wenn ich nicht im Staples Center sein kann, in meinem Herzen doch unter euch weilen werde", ließ Ross verkünden. "Ich habe entschieden, innezuhalten und Stillschweigen zu üben. Mir scheint es das Richtige zu sein. Michael war ein Mensch, den ich sehr liebte, ein wichtiger Teil meiner Welt, ein Faden im Gewebe meines Lebens, der so fest verwoben war, dass es mir schwer fällt, es in Worte zu fassen.“
"Michael wollte, dass ich für seine Kinder sorge", fuhr sie fort, "und ich werde immer da sein, wenn sie mich brauchen. Ich hoffe, dass heute alle, die ihn liebten, abschließen können."
Vielleicht ist das Wunschdenken, aber der heutige Tag war sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Nachdem Robinson gesprochen hatte, trat für 15 Minuten Stille in der dunklen Halle ein, während die Familie, die direkt von der privaten Trauerfeier auf dem Friedhof Forest Lawn in den Hollywood Hills kam, hereinkam und ihre Plätze neben VIPs wie Jesse Jackson, Al Sharpton, Jennifer Hudson und Sean "Diddy" Combs einnahm. Jacksons Brüder kamen im Partnerlook: Alle trugen sie schwarze Anzüge, gelbe Krawatten, Sonnenbrillen und einen einzelnen, glitzernden, weißen Handschuh.
Etwa um 10:32 Uhr wurde die Halle vom Klang eines Klaviers und eines Chors erfüllt, der den Gospel "Soon and Very Soon" sang, während Jacksons mit Blumen bedeckter Sarg vor die Bühne geschoben wurde.
"Vor allen Dingen war dieser Mann unser Bruder, unser Sohn, ein Vater und Freund", begann Pastor Lucius Smith, der sagte, dass Jackson nie ganz von uns gehen werde, "so lange wir uns an ihn erinnern."
"Michael Jackson wollte nichts mehr, als der Welt Liebe zu schenken, sein einzigartiges Talent und seine Seele mit anderen zu teilen und vielleicht auch etwas Liebe zurückzubekommen. Durch seine Worte, seine Musik und seine zahllosen guten Taten, hat Michael so viel getan, um unsere Welt zu heilen… Möge dieser Moment der Erinnerung ein Moment der Versöhnung, ein Moment der Musik und ein Moment der Liebe sein. Möge er denjenigen Trost spenden, die unseren Freund geliebt haben."
AFP PHOTO / GABRIEL BOUYS
Die erste Darbietung des Morgens stammte von Mariah Carey und ihrem langjährigen Gesangskollegen Trey Lorenz, der 1992 mit der Diva zusammengearbeitet hat - und dann wieder heute. Sie sangen eine Cover-Version von "I'll Be There" der Jackson 5.
REUTERS
Eine sichtlich bewegte Queen Latifah ergriff als Nächste das Wort und trug das Gedicht "We Had Him" von Maya Angelou vor, das diese eigens für diesen Anlass verfasst hatte.
Das Klagelied schloss einfach und doch tiefgründig mit den Worten: "Heute in Tokio, unter dem Eiffelturm, in Ghana auf dem Platz des Schwarzen Sterns, in Johannesburg und Pittsburgh, in Birmingham, Alabama und Birmingham, England, vermissen wir Michael Jackson. Aber wir wissen doch, wir hatten ihn, und wir sind die Welt.“ ("We are the world").
Nachdem Berry Gordy, der Gründer von Motown Records, davon erzählt hatte, wie die Jackson 5 entdeckt wurden und wie er mit der Familie Jackson in Kalifornien Softball gespielt hatte und immer wieder von Michaels unvergleichlichem Talent beeindruckt war, schloss er mit: "Je mehr ich von Michael Jackson erzähle und über ihn nachdenke, desto mehr denke ich, dass der Ausdruck 'The King of Pop' für ihn nicht groß genug ist. Ich denke einfach, dass er der größte Entertainer ist, den die Welt je gesehen hat."
AP Photo/Mark J. Terrill, Pool
Lionel Richie, der Co-Autor von "We Are the World" sang "Jesus Is Love" von den Commodores und nach einer Montage aus Jackson-Momenten, Titelseiten und Musik, setzte sich Stevie Wonder hinter ein Klavier und äußerte sich zum ersten Mal öffentlich zum Tod seines Freundes.
"Dies ist ein Augenblick, von dem ich mir wünschte, ihn nicht erleben zu müssen. Aber so ernst mir das ist, wenn ich es sage, so sicher bin ich mir auch, dass Gott groß ist. Wir können das Gefühl haben - und wir haben das Gefühl - dass wir Michael hier bei uns brauchen, aber dennoch weiß ich, dass Gott ihn noch viel mehr braucht."
Der Hit-Schreiber von Motown, der mit 13 selbst ein Kinderstar war, spielte daraufhin "I Never Dreamed You'd Leave in September" und sang nach dem Refrain: "Michael, warum bist du nicht geblieben".
AP Photo/Mark J. Terrill, Pool
Magic Johnson, der zusammen mit Kobe Bryant auftrat, hob mit einer Anekdote die Stimmung, in der er erzählte, wie er mit Jackson einen Eimer Kentucky Fried Chicken gegessen hatte. "Der großartigste Moment meines Lebens", witzelte er und sagte dann über Jackson, er habe ihn zu einem "besseren Point Guard und Basketball-Spieler gemacht“, weil er sah, dass Jackson "der beste Entertainer aller Zeiten war.“
Bryant erinnerte uns daran, dass Jackson im Guinness Buch der Rekorde steht, als der Popstar, der die meisten Wohltätigkeitsorganisationen unterstützt hat, eine Tatsache, die in der späteren Phase seines Lebens, in der reißerische und schlüpfrigere Schlagzeilen an der Tagesordnung waren, oft vergessen wurde.
Kevork Djansezian/Getty Images
Vor den mitreißenden Worten des Bürgerrechtlers Sharpton ("Es war Michael Jackson, der Schwarze, Weiße, Asiaten und Latinos zusammenbrachte!"), fungierte Jennifer Hudson als Leadsängerin bei einer harmonischen Darbietung von "Will You Be There", bei der es eine einminütige Einspielung von Jacksons Stimme gab.
EPA/PAUL BUCK POOL
Brooke Shields bot eine gesunde Mischung aus Weinen und Lachen, als sie Geschichten aus ihrer Jugend mit Jackson erzählte: "Zwei Kinder, die Spaß hatten."
"Für uns war es die natürlichste und einfachste Freundschaft. Ich war 13, als wir uns kennenlernten und von jenem Tag an wuchs unsere Freundschaft. Michael wusste immer, dass er auf mich zählen konnte, dass ich ihn unterstützen oder auch sein Date sein würde und dass wir immer Spaß haben würden, egal, was passiert.
"Zwischen uns gab es eine Bindung", fuhr sie fort, mit Tränen in den Augen. "Und vielleicht lag das daran, dass wir beide wussten, was es bedeutet, schon von Kindheit an im Rampenlicht zu stehen. Ich hänselte ihn immer und sagte: 'Weißt du, ich hab mit elf Monaten angefangen. Du bist ein Faulpelz, du warst schon fünf.' Wir beide mussten schon sehr früh erwachsen werden."
Kevork Djansezian/Getty Images
John Mayer spielte auf der Gitarre eine Version von "Human Nature", wobei sein trauriges Solo alle Worte überflüssig machte und Usher brach gegen Ende seiner herzzerreißenden Darbietung von Jacksons "Gone Too Soon" fast zusammen.
Jermaine Jackson sang den Song "Smile", von dem es hieß, er sei Michaels Lieblingslied gewesen, wobei viele Tränen vergossen wurden.
Die folgenden Redner - die Kinder von Martin Luther King Jr., Martin Luther King III und Bernice A. King, und Sheila Jackson Lee, Abgeordnete im Repräsentantenhaus - lenkten den Fokus auf Jacksons Menschlichkeit, Wohltätigkeit und seine scheinbar endlose Sorge für andere, besonders für diejenigen, die Hilfe brauchten.
Bernice King erzählte, wie Jackson ihre Mutter Coretta Scott King anrief, als sie im Sterben lag. "Sie lauschte, als er ihr sagte, er habe jeden Tag auf den Knien für sie gebetet... und dass sie für ihn die wahre Royalität Amerikas sei."
Ein Medley aus "We Are the World" und "Heal the World" - so wie sie für Jacksons Konzerte in London geprobt worden waren - bewegte die Leute zu Standing Ovations, während die Feier sich dem Ende näherte. Wie sich aber herausstellte, sollten die bittersüßesten Tränen erst noch kommen.
AP Photo/Mark J. Terrill, Pool
Die Brüder Jermaine und Marlon dankten den Fans dafür, Ihren Tag mit ihnen verbracht zu haben. Marlon, der offen weinte, während er sprach, erzählte von der Freude, die er mit Michael teilte, als sie noch Kinder waren, sagte aber auch, dass er Probleme habe, den Verlust zu verarbeiten.
"Ich stehe hier, auf der Suche nach Worten des Mutes und des Trostes, und versuche, zu verstehen, warum der Herr unseren Bruder nach so einem kurzen Besuch auf der Erde zu sich geholt hat. Michael, als du uns verlassen hast, ging ein Teil von mir mit dir, und ein Teil von dir wird ewig in mir fortleben. In jedem von uns wird ein Teil von dir ewig weiterleben", sagte Marlon.
Dann führte Janet Jackson Michaels Tochter Paris zum Mikrophon, und zum ersten Mal hörten wir eines von Michaels Kindern sprechen.
"Seit dem Tag meiner Geburt, war Daddy der beste Vater, den man sich vorstellen kann", sagte die 11-Jährige, während sie schwer mit den Tränen kämpfte. "Und ich wollte nur sagen, dass ich ihn so lieb gehabt habe."






0 Comments
Now loading...