Axl Rose

Courtesy: George Chin

All diejenigen, die sich gewünscht haben, dass der interviewscheue Axl Rose mehr über die lang erwartete Chinese Democracy zu sagen gehabt hätte und darüber, weshalb er immer noch unter dem Namen Guns N' Roses Platten aufnimmt, obwohl er inzwischen das einzige Originalmitglied aus den Glanzzeiten der Band ist…. wären mit ihrem Wunsch mal besser vorsichtig gewesen.

Der Guns N' Roses-Frontmann nahm am Wochenende zu Fragen der Fans, die auf der Website der Band gepostet waren, in einem offenen Brief, der 4.584 Wörter (inklusive Emoticons!) beinhaltete, Stellung. Er äußerte sich unter anderen zu dem aktuellen Zustand von GNR, was mit Slash vorgefallen war und zu David Bowies Vorliebe für Pink Floyd. (Bowie soll angeblich auf die Syd Barrett-Jahre stehen.)

Nachdem er erklärte, dass er seine Geheimnisse nicht früher enthüllen konnte, weil er „damit möglicherweise den Unsinn, der vor sich ging, gefährdet hätte“, räumt Rose zunächst mit den Gerüchten auf, er sei während der Trockenperiode der Band zu unstabil gewesen, um auf die Bühne zu treten, und bezeichnet sie als „erfunden, als Irrtum und Fantasie“.

“Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte ich schon vor Jahren auf legale Weise fertiggemacht werden können. Meine ehemaligen Bandkollegen hätten mich für den Namen und eine Entschädigung verklagen können.“

Rose behauptet außerdem, Slash sei, was die Übertragung des Bandnamens an Rose betraf, „grundehrlich“ gewesen und hätte nie beabsichtigt, seinen Kollegen, mit dem er die Ballade "November Rain" geschrieben hatte, als Bösewicht darzustellen. Am Anfang zumindest nicht.

“Doch als feststand, dass die Band sich trennen würde, und die Strategie, dass ich wieder angekrochen kommen würde, ins Spiel gebracht wurde, musste Slash sein Gesicht wahren und ein Geschäftsteam auf die Beine stellen und die Unterstützung der Öffentlichkeit bekommen. Mich als denjenigen hinzustellen, der die Menge als Geisel hält, und die anderen dazu zwingt, ihm den Namen zu übertragen, ist ihm diesbezüglich ziemlich gut gelungen. Ich bin der Übeltäter und Duff, die Fans und vor allem er selbst waren die Opfer…“

“Die Medien und die anderen ritten unwissentlich und auf ungerechte und fälschliche Weise auf meinen Kosten und den Kosten der Fans jahrelang darauf herum, und Slash hatte gehofft, das ausnutzen zu können, um mich immer wieder zu verklagen und hinter den Kulissen eine Art legalen Irrsinn am Laufen zu halten, während er versuchte, die Dinge rückgängig zu machen“, schreibt Rose.

“Es wäre ihm nicht gelungen in all den Jahren dafür die Unterstützung diverser Teammitglieder zu bekommen, wenn die Wahrheit bekannt gewesen wäre, besonders wenn die Verjährungsfrist vor Jahren abgelaufen war.“

Zur Beibehaltung des Namens einer einst vierköpfigen Partnerschaft hatte Rose Folgendes zu sagen: „Weshalb ich den Namen behalten habe? Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Überlebende. Ich will damit aber weder angeben noch bin ich stolz darauf. Es war alles ein verdammter Albtraum, doch ich war nicht derjenige, der Guns N’ Roses verlassen oder andere herausgedrängt hatte.“

Er bezeichnet die Entstehungsjahre von Chinese Democracy als „eine Guns N’ Roses-Platte, die mit den richtigen Leuten gemacht wurde, die einzigen, die wirklich helfen wollten und qualifiziert und fähig waren, während sie den öffentlichen Missbrauch jahrelang ertragen mussten.“

Und wie weit einige Fans, die das Endprodukt nicht abwarten konnten, gingen, ist ja bekannt. Kevin Cogill, der zugegeben hatte, Raubkopien der Chinese Democracy-Tracks auf illegale Weise im Internet veröffentlicht zu haben, noch bevor das Album herauskam, bekannte sich am Montag der Verletzung des Urhebergesetzes schuldig.

Cogill droht eine einjährige Haftstrafe, ein Bußgeld in Höhe von $100.000 und fünf Jahre auf Bewährung.

Doch während es Rose anscheinend nicht interessierte, mit wem er Musik machte, solange er Musik machte, empfand er es als notwendig, die Entwicklungsgeschichte von GNR in den letzten zehn Jahren weiter auszuführen.

“Ich sehe mich nicht einzig und allein als Guns N’ Roses, sondern als einziges Mitglied aus der Vergangenheit, das sich bemüht, weiterzumachen, gleichgültig ob die anderen das gut finden, und sein Bestes gibt und dafür kämpft, es zu realisieren… Ich sehe es nicht ein, etwas wegzuwerfen, wofür ich nicht nur gearbeitet, sondern auch gekämpft und gelitten habe, weil einige Menschen mit einer Lynchmentalität sich verletzt, verärgert, betrogen, in die Irre geführt und belogen fühlen, oder weil andere, die sich einen Dreck darum scheren (vor allem in den Medien), die Kontroverse und Hasskampagne genießen und jemanden bevorzugen, nicht weil es richtig ist, sondern weil sie es so wollen.“

“Was mich zu einer Namensänderung bewegen würde, wäre eine Art Weiterentwicklung, die wir, wie ich finde, allerdings noch nicht erreicht haben und das im Moment auch nicht bewusst vorhaben. Es ist schwer zu sagen. Ich müsste davon überzeugt sein, dass es für mich und all diejenigen, die daran beteiligt waren, das richtige ist.“

Abgesehen davon, wollte die Universal Music Group laut Rose den GNR Namen beibehalten, weil sie glaubten, das Album ließe sich auf diese Weise besser verkaufen.

“Ich war gesetzlich nicht dazu verpflichtet, doch wir wären vermutlich fallengelassen worden und ich wäre bankrott gegangen”, schreibt er.

“Ich denke es ist einfach von Fall zu Fall verschieden. Frohe Weihnachten an euch und an alle anderen.“

Obwohl dies nicht das eigentliche Ende seines Briefes war, erschien es uns als angemessen, hier mal einen Punkt zu machen.

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