Naomi Campbell liebt zwar das Rampenlicht, aber in diesem Fall wäre sie ihm wohl lieber ferngeblieben.

Das britische Supermodel sagte am Donnerstag nur ungern vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aus, im Prozess gegen Charles Taylor, das ehemalige liberianische Staatsoberhaupt. Campbell soll von ihm sogenannte Blutdiamanten geschenkt bekommen haben.

"Ich wollte nicht aussagen", sagte sie. "Ich will das nur hinter mich bringen und dann wieder meinen Dingen nachgehen, das Ganze kommt für mich einfach nur sehr ungelegen."

Das tut uns leid, Naomi, dass dir die Strafverfolgung eines Kriegsverbrechers, dem vorgeworfen wird, Tausende Menschen umgebracht zu haben, ein Strich durch deine Pläne macht.

Campbell wurde für kurze Zeit zum Star in ihrem eigenen Blood-Diamond-Drama, außer, dass ihr Mia Farrow zur Seite steht und nicht Leonardo DiCaprio.

Ihre Aussage wurde als wichtig angesehen, weil sie beweisen sollte, wie Taylor im Austausch für Blutdiamanten den Rebellen in Sierra Leone Waffen lieferte. Die Rebellen schlachteten im zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg, der 2002 endete, Tausende Menschen ab.

Campbell wurde von der Staatsanwaltschaft in den Zeugenstand gerufen, weil sie die besagten Steine 1997 bei einem Dinner für Nelson Mandelas Children's Fund, bei dem auch Schauspielerin Mia Farrow zu Gast war, von dem Diktator erhalten haben soll.

"Ich schlief, als ich plötzlich ein Klopfen an der Tür hörte. Ich öffnete die Tür und da standen zwei Männer, die mir ein Säckchen gaben und sagten: 'Ein Geschenk für Sie'", sagte sie aus.

Die Männer sagten zwar nicht, dass sie für Taylor arbeiteten, aber das 40-jährige Model erinnerte sich daran, wie es Farrow erzählte, dass sie "davon ausging, dass sie für ihn arbeiten".

"Ich öffnete das Säckchen am nächsten Morgen, als ich aufwachte, und sah ein paar Steine. Sie waren sehr klein und schmutzig. Ich ging davon aus, dass sie von ihm waren", erzählte Campbell dem Gericht. "Ich weiß nichts über Charles Taylor. Ich hatte nie zuvor von ihm gehört oder von Liberia. Ich hatte auch den Begriff 'Blutdiamanten' noch nie gehört."

Das Model gab zu, dass es sich damals nicht viel dabei dachte, da es oft extravagante Geschenke erhält.

"Ich erhalte viele Geschenke, und zwar um jede Tageszeit", erzählte sie dem Gericht. "Manchmal auch ohne Karte. Für mich ist das ganz normal."

Sie übergab die Diamanten einem Kollegen und bat ihn darum, sie einer wohltätigen Organisation zu stiften, in diesem Fall Mandelas Children's Fund. Die Stiftung konnte jedoch belegen, dass sie die Steine nie erhalten hat.

Campbell behauptete, dass sie den liberianischen Diktator nie kontaktierte und dies auch nicht vorhatte.

Farrow soll nächste Woche in den Zeugenstand treten und darüber aussagen, wie Campbell ihr am Morgen danach beim Frühstück von den Blutdiamanten erzählte.

Campbell wollte ursprünglich nicht gegen Taylor aussagen, weil sie nach eigener Aussage Angst um ihre Sicherheit hatte. Noch im April hatte sie bestritten, dass sie jemals solche Steine von ihm erhalten habe. Nach einer Vorladung (die bei Nichtbeachtung eine Gefängnisstrafe nachziehen kann), änderte sie ihre Meinung.

"Ich habe im Internet gelesen, dass er Tausende Leute getötet haben soll. Ich will nicht, dass meine Familie in irgendeiner Form einer Gefahr ausgesetzt wird", sagte sie noch aus.

Campbell schien bei ihrer Aussage jedoch nicht sehr nervös zu sein.

Der Gerichtssaal war durch Sicherheitspersonal streng überwacht und die Richter hatten angewiesen, dass keinerlei Fotos, Videos oder Handzeichnungen während ihrer Ankunft und beim Verlassen des Gerichtssaals gemacht werden dürfen (ihre Aussage wurde jedoch aufgezeichnet und auch veröffentlicht).

Der  62-jährige Taylor bestreitet kategorisch, in irgendeiner Form in den Blutdiamantenhandel involviert gewesen zu sein und den Aufstand in irgendeiner Weise gefördert zu haben.

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