Sydney Pollack

Ron Galella, Ltd./WireImage.com

Sydney Pollack machte aus Robert Redford ein Sex-Symbol, aus Jane Fonda einen Star mit Oscar-Kaliber und aus Dustin Hoffman eine Frau.

Pollack, der Regisseur von Filmen wie Tootsie, So wie wir waren, und vielen mehr, der sich offenbar in der Gesellschaft von Hollywoods größten Stars am wohlsten fühlte (und vice versa), erlag Montagabend in seinem Haus in Los Angeles einem Krebsleiden.

Der Filmemacher und zweifache Oscar-Gewinner wurde 73 Jahre alt.

“Sydney hat die Welt ein bisschen verbessert, die Filme ein bisschen verbessert und sogar Dinner ein bisschen verbessert”, ließ George Clooney in einer Erklärung verlauten. “Ich ziehe meinen Hut vor einem Mann von Klasse. Er wird uns schrecklich fehlen.”

 

Pollack arbeitete mit Clooney in zwei Filmen zusammen: Michael Clayton, den Pollack koproduzierte und in dem er auch selbst mitwirkte und Ein verlockendes Spiel, in dem er als Ausführender Produzent fungierte.

Michael Clayton, der während der diesjährigen Oscars im Februar in der Kategorie „Bester Film“ ins Rennen ging, brachte Pollack seine sechste Nominierung ein. 1985 heimste er als Regisseur und Produzent für Jenseits von Afrika gleich zwei Trophäen ein.

Als Regisseur und Produzent von Tootsie, der beliebten Transvestiten-Komödie, sowie als Regisseur des Tanz-Marathon-Dramas Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss hatte er ebenfalls Nominierungen erhalten.

Polack, ein ehemaliger Schauspiellehrer, wurde selbst zum gefragten Charakterdarsteller mit unvergesslichen Auftritten in Stanley Kubricks Eyes Wide Shut, Woody Allens Ehemänner und Ehefrauen und in Tootsie, indem er Hoffmans verärgerten Schauspielagenten spielte.

Pollack, dessen Karriere bis zuletzt blühte, ist derzeit als Patrick Dempseys Vater in der Komödie Verliebt in die Braut in den Kinos zu sehen.

Als Produzent hatte Pollack gleich mehrere Projekte in Arbeit, darunter The Reader (Der Vorleser),  ein Drama basierend auf dem Bestsellerroman des deutschen Schriftsteller Bernhard Schlink, mit Ralph Fiennes und Kate Winslet in den Hauptrollen. Pollack produzierte den Film mit der Produktionsfirma, die er mit dem Regisseur und Drehbuchautor Anthony Minghella, der im März eines plötzlichen Todes verstarb, gegründet hatte.

Die zentrale Liebesgeschichte in The Reader ist für einen von Pollack produzierten Film typisch. “Ich habe noch nie einen Film ohne eine Love Story gemacht”, teilte der Filmemacher E! News im Jahre 2000 mit.

Außerdem hätte er hinzufügen können, dass er auch noch nie einen Film ohne einen Star gedreht hatte.

Pollack arbeitete als Regisseur mit Tom Cruise (Die Firma), Meryl Streep (Jenseits von Afrika), Paul Newman und Sally Field (Die Sensationsreporterin), sowie Nicole Kidman und Sean Penn (Die Dolmetscherin). 

Harrison Ford drehte zwei Filme mit Pollack: Begegnung des Schicksals und Sabrina, Robert Redford sieben: Havanna, Jenseits von Afrika, The Electric Horseman, Die drei Tage des Condor, So wie wir waren, Jeremiah Johnson, und Dieses Mädchen ist für alle.

Darsteller in Pollacks Filmen, besonders in denen aus den 70er und 80er Jahren, konnten fast immer mit zwei Dingen rechnen: dass der Film ein Kassenschlager würde und dass er eine Vielzahl von Oscar-Nominierungen einbringen würde. Zu den Schauspielern, die durch Pollacks Filme Oscar-Nominierungen erhielten, gehören Hoffman, Newman, Streep, Barbara Streisand (So wie wir waren) und Holly Hunter (Die Firma).

Während Pollack für seine häufige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Hollywood-Größen bekannt war, verstand er es auch, neue Talente zu entdecken. Oder sollten wir lieber sagen, er verstand es, Schauspieler neu zu besetzten.

Nachdem er Greg Kinnear auf E!'s Talk Soup sah, gab er ihm die Rolle von Fords jüngerem Bruder in Sabrina und legte damit den Grundstein für eine Oscar-trächtige Schauspielkarriere des TV-Moderators.

Er verhalf Jane Fonda, die nach Barbarella noch nicht als seriöse Schauspielerin anerkannt wurde, mit Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss zu ihrer ersten Oscar-Nominierung, und Jessica Lange mit ihrer Rolle als Hoffmanns verunsicherte Geliebte in Tootsie zu ihrem ersten Oscar-Gewinn.

Am häufigsten wurde Pollack jedoch mit Redford assoziiert. Dieses Mädchen ist für alle kam 1966 in die Kinos und war Pollacks zweiter Kinofilm als Regisseur und einer von Redfords ersten Filmen als Hauptdarsteller. Ihre Zusammenarbeit belief sich von So wie wir waren, einem der größten Kassenschlager der 70er Jahre bis zu einem der größten Kinoflops der 90er Jahre , Havanna, der rundum schlechte Kritiken verbuchte.

“Eins kann ich Ihnen versichern”, sagte Pollack über Havanna in der New York Times: “Ich würde den Film auf jeden Fall wieder drehen. Ich mochte die Rolle, die Redford spielte sehr.”

Pollack war voreingenommen. Er sah in Redford den “Inbegriff des amerikanischen Helden”, erzählte er E! Online, und "den einsamen Wolf, einem Kerl, der nach seinen eigenen Regeln lebt und durch die Liebe einer Frau zu einem bodenständigen Menschen wird”, erklärte er der Times.

In Tootsie geht es darum, dass aus einem Mann ein besserer Mensch wird, indem er zur Frau wird. Es handelt sich um Pollacks größten Erfolg als Regisseur, ungeachtet der Oscar-Gewinne, und den einzigen seiner Filme, der es auf die Liste der „100 besten US-Filme“ des American Film Institutes geschafft hat.

Tootsie, worin der schwierige Schauspieler Michael Dorsey (Hoffman) zum Seifenopern-Star avanciert, indem er vorgibt, die feurige Schauspielerin Dorothy Michaels (auch Hoffman) zu sein, erhielt 10 Oscar-Nominierungen und entfachte Pollacks tot geglaubte Schauspielkarriere aufs neue.

Der Filmemacher behauptete, Hoffman hätte vorgeschlagen, bzw. sogar verlangt, dass Pollack Michael Dorseys Agent spielte, anstelle von Dabney Coleman, der bereits für die Rolle engagiert wurde.

“Dustin war sehr angetan von Dabney, jedoch sah er ihn mehr als Kollegen und Gleichgesinnten”, erzählte Pollack E! Online. “Er sagte: ‘Wenn ein Kollege zu mir sagt ‘Du wirst nie wieder arbeiten’, werde ich sicherlich keine Frauenkleidung tragen. Wenn du aber zu mir sagst ‘Du bekommst nie wieder einen Job’, dann würde ich möglicherweise doch ein Kleid anziehen.’”

Coleman bekam letztendlich die Rolle des rüpelhaften Seifenopernregisseurs und Pollack Anrufe von Regisseuren, die mit ihm in der Zukunft zusammenarbeiten wollten.

In Allens Ehemänner und Ehefrauen spielte er den an einer Midlife-Crisis leidenden Ehemann, in Kubricks Eyes Wide Shut spielte er den schicken Long Islander mit einer Vorliebe für freizügige Kostümfeste und in Tony Gilroys Michael Clayton spielte er Clooneys Boss in der Anwaltskanzlei.

Pollack wirkte auch in einer Vielzahl von Fernsehserien, z.B. Die Sopranos, Frasier und Will & Grace mit, wo er gelegentlich als Eric McCormacks Vater auftrat.

Der am 1. Juli 1934 in Lafayette, Indiana geborene Pollack sagte einmal in einem Interview mit der Times über seine Kindheit: “Ich denke mit großer Traurigkeit daran zurück. Es handelte sich um eine kulturelle Einöde.”

Pollack zog in ein Haus in New York, wo er sowohl als Schüler als auch als Lehrer mit Schauspielunterricht beschäftigt war. Was seine Karriere als Lehrer betrifft, sei diese laut Pollack nur zustande gekommen, weil er als Schauspieler keine Arbeit fand.

Das änderte sich 1959, als John Frankenheimer ein erfolgreicher Regisseur von live TV-Dramen der damaligen Ära, der später in Filmen wie dem ursprünglichen Botschafter der Angst Regie führte, Pollack als Schauspiel-Coach anheuerte. Der Gig brachte ihm Jobs als TV-Regisseur ein, die wiederum zu seinem ersten Kinofilm Stimme am Telefon führten, einem Drama um eine Selbstmord-Hotline aus dem Jahre 1965 mit den beiden Stars Sidney Poitier und Anne Bancroft in den Hauptrollen.

Pollacks letztes dramatisches Filmprojekt als Regisseur war Die Dolmetscherin, aus dem Jahre 2005. In demselben Jahr wurde auch sein einziger Dokumentarfilm Sketches of Frank Gehry über den bekannten Architekten veröffentlicht.

Als erfolgreicher Produzent und als Ausführender Produzent war Pollack sowohl für  große Oscar- Filme (Minghellas Unterwegs nach Cold Mountain und Der talentierte Mr. Ripley), als auch kleinere Filme(Sie liebt ihn - sie liebt ihn nicht, Searching for Bobby Fischer) und sogar einem John Goodman-Projekt (King Ralph) verantwortlich.

Am Ende wurde Pollack auf große Stars und große Filme festgelegt. Das wusste er, und begrüßte es auch.

“Nicht alle großen Filme sind gut. Ich vermute mal, dass es sogar sehr viele schlechte gibt. Sicherlich gibt es den einen oder anderen, der sagt, einige davon wären von mir”, erzählte Pollack einmal dem National Public Radio. “Die guten berühren einen dafür umso mehr.”

(Originally published May 26, 2008 at 6:05 p.m. PT.)

 

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